Die genealogische Kleinstadt

Gestern dachten wir ja noch, 13.000 Menschen bei einer Konferenz zum Thema Genealogie seien sehr viele. Well, heute wurden wir eines Besseren belehrt: Auf der RootsTech 2015 sind 22.000 registrierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 35 Ländern angemeldet. So viele Menschen leben in einer durchschnittlichen österreichischen Kleinstadt. Ebenso beeindruckend ist der Ausstellerteil der RootsTech: Hier stellen 170 verschiedene Firmen ihre Services und Produkte für Genealogen, Familienhistoriker und Familienforscher vor. Neben den üblichen Plattformbetreibern sind Scanservices für alte Fotos, Dias oder Dokumente gut vertreten. Rund um das Thema Familienforschung hat sich in den Staaten eine Umfeldindustrie etabliert. Neben den oben erwähnten Scanservices – sie haben ja nur am Rande mit Familienforschung zu tun – gibt es beispielsweise spezielle Kreuzfahrtsschiffangebote „Cruising with Legacy Family Tree 2015“ oder „custom genealogy trees„. Letzteres sind kleine aus Silberdraht gefertigte Bäumchen, die mit Geburtssteinen (natürlich von Swarovski) der Ahnen behängt werden können.

Klares Thema: Emotion, Emotion, Emotion!

Die meisten Sessions des heutigen Tages beschäftigen sich mit der Aufbereitung von gefundenen Daten. Hier ist das Zauberwort „Emotionalisierung“. Fotos, Videos, Audioaufnahmen und alte Dokumente werden zusammengewürfelt und in hübsche Onlinepräsentationen umgewandelt. Unter den vielen verschiedenen vorgestellten Lösungen ist StoryPress die vielversprechenste. Hier werden die Präsentationen im Pinterest-Stil präsentiert und die Bedienung ist garantiert „Grandma proof“. Im Rahmen der StoryPress-Session wurde uns auch ein signifikanter Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Familienforschern vor Augen geführt. Die in Europa allgegenwärtige Datenschutzdebatte ist zumindest für die hier anwesenden Familienforscher aus den USA kein Thema. Ganz im Gegenteil, das Publikum verstand nicht, warum jemand seine Geschichte auf „private“ – also nicht öffentlich – stellen wollen würde.